Ich habe ja nun schon öfter versucht , über Musik in Bremerhaven zu schreiben, aber so viel Spaß wie jetzt an diesem frühen Freitagmorgen hatte ich dabei glaub ich noch nie.

Eine Band gilt es vorzustellen : Die Sunshine Boys !

Gegründet wurde die Chaoscombo durch Felix ( das is Felix) und Jan ( das bin ich). Beim ersten mal zusammensetzen war lediglich eine Gitarre (gespielt von Felix) und eine Mundharmonika (gespielt von mir) vorhanden und trotzdem wurde, soweit ich mich an diesen Abend erinnern kann, noch das erste Lied fertig gestellt.

Erstaunt darüber, wie schlecht zwei Menschen gemeinsam musizieren können, musste man sich also schnell Meinungen einholen, was den gerade fertig gestellten Song betrifft . Das Feedback war fast durchweg gut, nur Chris (das ist der, der hier auch bloggt) war mit seiner Aussage wohl am kritischsten (wer auch sonst ? ) . „Man merkt, dass das im Suff entstanden ist“ sagte er lachenderweise und von da an war das Ziel der Sunshine Boys (bis zu dem Zeitpunkt also Felix und mir) klar : Wir müssen witzige anspruchslose Musik machen und versuchen die Leute zum Lachen zu bringen.

Ja und nun ging es los, wir wussten wo wir hinwollten und auch wo wir auf keinen Fall hin wollten und um sein Ziel zu erreichen braucht man starke Disziplin, so wurden die Regeln der Band aufgestellt :

- Niemals nüchtern proben !

- Niemals nüchtern auftreten ! (Daran, dass uns überhaupt mal jemand auftreten lässt, war zu dem Zeitpunkt eh nich zu denken)

- Niemals heimlich daheim nüchtern üben oder Songs schreiben !

Uns war klar, dass wir jeden Tag im Straßenverkehr (hihi, ich hab Verkehr geschrieben)  mit komplizierteren Regeln konfrontiert werden und die Einhaltung der Bandregeln wohl kein Problem darstellen wird.

Motiviert bis in die Fingerspitzen ging es nun fast jedes Wochenende in den Proberaum, allerdings weniger um zu proben , wir mussten erstmal an unsere eigenen Grenzen gehen und gucken wie konsequent die Regeln der Band nun wirklich eingehalten werden. Nur so als Info (wird euch wohl auch nicht überraschen) : Das mit den Regeln hat sogar noch besser geklappt, als wir gedacht hätten.

Die Situation wurde nun allerdings komplizierter, hatte Felix uns doch beim Bandcontest in Bremerhaven angemeldet. Nun saßen wir also da im Raum, berauscht und unseres Lebens froh, einen Auftritt beim Bancontest vor der Brust, aber immernoch ohne Musik.

Die Wochen vergingen, im Proberaum entstanden einige neue Texte, aber nie irgendwas mit anständiger Musik dazu. Sollen wir Gedichte schreiben ? Rappen wir ? Neeeeh !

Viel besser : Wir laden Henry (einen wirklich talentierten Gitarristen und zugleich einen der wundervollsten Menschen in Bremerhaven) in den Proberaum ein und füllen ihn erstmal ordentlich ab, mit allem was das Herz begehrt. Henry kam natürlich, in der Erwartung eine lustige Feier im Proberaum zu erleben, aber wo waren die Leute ? Nur die beiden Kaputten (Also Felix und ich) saßen mit Gitarre und Mundharmonika auf dem Sofa und grinsten mit Maulwurfsaugen und Bierfahne die Wand an. Soweit nichts besonderes, das ist die Aura des Proberaums, da sieht jeder so aus und somit hat es uns auch keine große Mühe gekostet Henry dazu zu bringen einen Bandvertrag bei den Sunshine Boys zu unterschreiben, Henry war zum glück nicht so voll, dass er seinen Namen falsch geschrieben hat, aber voll genug, um erst 10 Minuten nachdem die Unterschrift auf dem Vertrag erfolgte, festzustellen , dass wir ihn abgefüllt und zum Unterschreiben eines Bandvertrages gezwungen haben. Nun war es zu spät. Felix und ich waren glücklich über diese Neuverpflichtung. Außerdem war die Chance, dass wenigstens einer eine komplette Bandprobe ohne größere Abstürze überlebt größer, musste ja nun alles durch drei geteilt werden.

Nun haben wir Henry noch gesteckt, dass wir bei einem Bandcontest auftreten werden und erst ein Lied fertig haben, in dem Moment wird er uns wohl gehasst haben.

Die nächsten Proben verliefen ähnlich wie die zu Anfang, nur dass jetzt 3 Leute anstatt 2 die Bequemlichkeit (gibt es das Wort echt ?) der 2  Proberaumsofas kennen und schätzen lernten.

Die Zeit wurde knapp , nur noch wenige Wochen bis zum Bandcontest und noch immer hatten wir kein Programm, jetzt wurds nun also ernst, trotz zahlreicher Eskapaden und wilder Abende im Proberaum wurden immer mehr Lieder fertig und coole Ideen für ein paar Coversongs waren auch dabei, wir hatten es tatsächlich geschafft : Das Set stand !

Schnell noch die letzten zwei Wochen vor dem Contest das Set (waren das überhaupt 2? oder sogar nur eine ? Felix ?!)  durchgeprobt und meistens versagt. Das aller letzte mal Proben, den Abend vor dem Bandcontest, war man zum ersten mal zufrieden mit dem Set und hatte nun sowieso nicht mehr zeit. Die Regeln wurden übrigens nie gebrochen !

Nun war es also soweit : Mittwoch, der 24.06.2009 , Bandcontest in Bremerhaven , wir Sunshine Boys zogen das Los als 4te von 7 Bands antreten zu dürfen, also um 1815 Uhr, war ne coole Zeit, das hat schonmal gepasst . Vor dem Auftritt mussten natürlich noch ein paar Regeln eingehalten werden, vielleicht waren wir da sogar zu konsequent, wenn man bedenkt, dass wir gleich den ersten Auftritt der Bandgeschichte spielen werden.

Egal, war halt so und die Zeit verging wie im Flug, wir waren an der Reihe, umarmten uns Backstage und haben uns gegenseitig immer wieder erzählt wie nervös und aufgeregt wir doch sind, inwiefern das zur Beruhigung beigetragen hat, weiß ich nicht, vermutlich überhaupt nicht.

 Nun wurde Platz eingenommen, die Veranstaltung war für Bremerhavener Verhältnisse recht gut besucht (Vielen Dank an die Sonne, you kick ass !) . Kurzes Interview auf der Bühne mit dem Radiomann und ein kurzer Soundcheck, den wir aber eigentlich garnicht brauchten, weil Sound haben wir eh nicht. Okay, wir legten los, spielten die ersten Lieder und ich habe beim Blick in die Menge und Richtung Jury gesehen, was ich nie für möglich gehalten hätte : Die Leute haben gelacht, mitgemacht und am Ende der Songs applaudiert, die fanden uns witzig, tatsächlich !

Der Auftritt verging auch wie im Flug, wir waren so mittelmäßig zufrieden, paar Patzer waren dabei, aber es geht auch weitaus schlechter und vorallem das Publikum wurde gut unterhalten. Das war die Hauptsache.

Nun war ein wenig Zeit für Bandregeln und Sonne im freien Genießen, die letzten 3 Bands spielten und wir haben uns die Zeit bis zur Siegerehrung recht lustig vertrieben. Dann ging langsam die Diskussion bezüglich unserer Platzierung los, Felix hatte so mit einem vierten Platz gerechnet , Henry, der nicht mehr zurechnungsfähig war, meinte dass wir das Ding gewinnen und ich war eher pessimistisch und habe ganz ehrlich mit einem der beiden letzten Plätze gerechnet.

Jetzt aber schnell nach vorne, irgendwo irgendwas unterschreiben und dann zur Siegerehrung auf die Bühne , alle Bands standen da und irgendwer flüsterte mir zu, dass unsere Punktzahlen wohl sehr gut aussehen würden. „Ja, du mich auch“ dachte ich und hab mich zu Henry und Felix gestellt.

Es wurde ernst , die Jury gab die Platzierungen bekannt und sagte irgendwas von wegen : “ Dieses Jahr haben wir vier vierte Plätze“ , Alles klar, da werden wohl wir irgendwo dabei sein, aber dann wurden die Namen der Bands vorgelesen und irgendwie waren wir nich dabei. Unter den ersten dreien also !!! Richtig Fett, hätten wir niemals mit gerechnet. Der Jurymann fuhr fort , „Platz 3 , Audioeffekt !“ .

Wie jetzt ? Wir sind unter den ersten zweien ?

Nun hieß es : “ F.B.I und die Sunshine Boys bitte mal nach vorne kommen“ . Jetzt standen wir 3 da mit den Jungs und Mädels von F.B.I (Vorjahressieger) und wurden einige Minuten gequält, weil der Jurymann nicht mit dem Ergebnis rausrücken wollte. Dann beschloss er , den zweiten Platz als erstes zu nennen. „Auf dem zweiten Platz… F.B.I !“

ACH DU KACKE !!!

Im ernst ? Ja, wir haben gewonnen. Damit hatte keiner gerechnet, wir am allerwenigsten. Die Jury gab uns fast volle Punktzahlen und hat sich hinterher noch in Person von Mathias Arp (Gitarro von Lotto King Karl) sehr positiv über unseren Auftritt geäußert.

Das ganze ist nun zwei Tage her, aber mein Flash klingt nicht ab, sau geile Sache das !

Kleine Anekdote zum Schluss : Als wir den Heimweg antreten wollten kam ein älterer Herr auf uns zu, krampfhaft versuchte er cool zu wirken und sagte  uns dass er da ein Tonstudio hätte und wir uns melden sollen , wenn wir ne CD aufnehmen wollen und drückte uns seine Visitenkarte in die Hand. Ich trau dem ürigens nicht.

Eine Bitte an alle Leser und so : Wenn ihr Auftrittsmöglichkeiten für ein paar durchgeknallte Liedermachingtypen habt, dann meldet euch doch bitte bei mir. Wir wollen nun auf jeden Fall weitermachen !

Schönes Wochenende euch allen.

Machtsbesser !

Janni from the Blog